Us and them: soziale Identitäten

Oder: Wie viele sind wir eigentlich? – Individuelle und soziale Identitätssubjekte

Bei der Rede über Identität sollte klar sein, worauf sie sich bezieht, auf das Individuum oder eine Gruppe, Religion, Nation etc. Individuelle Identität reflektiert die Werte sozialer Identitäten häufig. Die Findung der eigenen Identität geschieht in der Regel, indem man sich sozialen Gruppen zuordnet. In der Regel sind Identitäten, die sich im Individuum reflektieren vielfältig und heterogen: ich bin einer Nation zugehörig, einer Berufsgruppe, einer Region, einem Fußball-Fangemeinschaft, der Gemeinschaft der Apple-User, einer Religion oder politischen Strömung. Insgesamt sind individuelle Identitäten stark geprägt von sozialen Identitäten. Liberalismus, Klassifizierbarkeit und Egalisierung provozieren die Frage nach der Identität und werden so zu einer Art Identitätsmaschine.

Das Konzept von Corporate Identity versucht, zu erreichen, dass sich sowohl Mitarbeiter als auch Kunden mit irgendwelchen (meist künstlich geschaffenen) Unternehmenswerten und -images identifiziert. Das hat bisher bis zu einem bestimmten Grad funktioniert. Es stellt sich allerdings die Frage, ob das in einer diversifizierten Gesellschaft eine einheitliche Unternehmenskultur oder -identität sinnvoll ist. Individuelle Identität existiert auf einer anderen Ebene. Ein Individuum praktiziert seine Identität im Alltag in einer komplexen Umgebung. Hier sind häufig soziale Identitäten nicht komplett übernehmbar oder man fühlt sich mehreren Gruppen zugehörig, die widersprechende Identitätsmerkmale oder auch -forderungen haben können. Sie werden im Individuum gebrochen und existieren häufig Seite an Seite mit anderen Wahrnehmungen von sozialen Identitäten.


Nobelpreisträger Amartya Sen trennt beide strikt und warnt davor, soziale Identitäten unbesehen für das Individuum zu übernehmen: „The distancing of personal identity from one’s social affiliation is an extremely important issue in making the violent world in which we live a little less turbulent.“ (The Fog of identity, in: politics, philosophy & economics. Los Angeles, London, New Delhi etc. 2008, S. 287). In dem Beispiel, das er erwähnt, steht eine Person vor dem Konflikt entweder ein guter britischer Staatsbürger oder ein guter Moslem zu sein.