Woher kommt die Frage nach der Identität? – Die Identitätsmaschine

Die Frage nach der Identität stellte sich vor allem in Zeiten der beginnenden Industrialisierung, der mit der die Vereinzelung der Menschen als Akteure des Verwertungsprozesses einher ging. In feudalen Strukturen musste man sich kaum Gedanken über Identität machen, da diese in relativ fixen Strukturen einfach vorgegeben waren. In den entstehenden Klassifikationssystemen wurde es existenziell wichtig, zu entscheiden, welcher Kategorie man zugehörig ist. Neben der neuen sozialen Stratifizierung entwickelten sich die internationalen Beziehungen, es entstanden Kolonialreiche, in denen die Frage nach de ethnischen Zugehörigkeit essentiell war.

Wenn man innerhalb einer Klasse alles mit anderen gemeinsam hat, fragt man sich naturgemäß, worin man sich unterscheidet, worin das Einmalige des jeweils Eigenen besteht. Zunächst begann man dieses Einmalige zunächst in physiologischen Formen zu finden: das Ohr, das Gebiss, der Fingerabdruck oder die Kopfform. Später bestimmte man die Zugehörigkeit zu Gruppen, politischen Bewegungen, sozialen Ständen und Klassen oder Geschmacksinteressen.

Identitätsmaschine Neoliberalismus

Die Frage nach der Identität wird, je nach Zeitalter und Kontext unterschiedlich gestellt und beantwortet. Lauren Leve (2011, 518ff.) sieht im Aufkommen des (neo)liberalen Demokratie eine Identitätsmaschine, die das Individuum zwingt, sich in Bezug auf die Zuordnung zu mit Ethnien, politischen Gruppierungen, Initiativen, Normen, Strukturen, Technologien, Live Style etc. zu positionieren. Die liberale Demokratie erschafft hiermit sowohl die Begrifflichkeiten als auch die Realitäten, sozusagen die ontische Basis für die Zuordnung von Identitäten. Diese werden benötigt, um partikulare Interessen verschiedener identitätsbildender Gemeinschaften zu vertreten. Der Neoliberalismus, für den prinzipiell erstmal jeder gleich und autonom ist (ob das einer faktischen Gleichheit entspricht, sei dahingestellt), fordert die Menschen geradezu heraus, sich in dieser suggerierten Gleichheit zu positionieren.

Lauren Leve (Current Anthropology , Vol. 52, No. 4, 2011, S. 518) über diese Identitätsmaschine: “It is inevitably diverse, fragmentary, and internally contradictory; both its architecture and its utterances are always in flux. Yet—whether despite or because of this—it has been remarkably successful in establishing identity as a national and transnational governmental strategy that convinces citizens to assist in their own management by embracing the classificatory logics of liberal states and regulating their practices accordingly. By extending an identity-based model of political subjectivity, participation, and rights, the identity machine facilitates the globalization of neoliberal democracy. “