1. Rituale sind allgegenwärtig

Wie von einer unsichtbaren Hand gelenkt tun wir täglich Dinge, die wir aus praktischen Gründen kaum erklären könnten. Wir heben den Arm zum Gruß, wenn wir einen Bekannten sehen, schlagen die Hände mit Teamkollegen zusammen, wenn wir gewonnen haben oder fragen stereotyp „Hallo! Wie geht’s?“ wenn wir jemanden treffen. Wie rätselhaft diese Handlungen sind, fällt uns erst auf, wenn wir ähnliche Umgangsformen in einer anderen Kultur beobachten: Eine japanische Teezeremonie, ein indisches Morgenopfer oder ein Haitianischer Voodoo-Tanz funktioniert nach einer Logik, zu der wir keinen Zugang haben. Fremden wiederum muss es obskur muss es erscheinen, wenn sie bei uns Kinder mit einer großen Papptüte voller Süßigeiten sehen oder einen Pfarrer der das Abendmahl zelebriert. Mitunter ist der Anblick fremder Rituale so suggestiv, dass man ihn bewusst imitiert. In Indien mag man als Begrüßungszeremonie immer mehr das westliche Händeschütteln, shake hands, anstatt der dort üblichen kleinen Verbeugung mit vor der Brust zusammengelegten Händen und dem „Verehrung Dir“, namaste. Aber ob fremd oder eigen: Wir folgen bereitwillig Handlungsstereotypen, deren ursprünglicher Sinn uns nicht mehr verständlich ist: Niemand denkt heute beim Händeschütteln mehr and dessen ursprünglichen Sinn, dem anderen als Zeichen seiner friedfertigen Absichten die „leere Waffenhand“ zu präsentieren.

Sind Rituale deshalb heute funktionslos? – Ja und Nein. Sie sind in dem Sinne funktionslos, dass sie nicht auf eine bestimmte Funktion festgelegt sind. Das gleiche Ritual kann in unterschiedlichen historischen Perioden und verschiedenen Kontexten unterschiedliche Funktionen innehaben. Es ist also von seiner Funktion, zumindest abstraktiv, loslösbar. Im Alltag sind Rituale jedoch immer mit Funktionen verknüpft. Sonst würde sie keiner durchführen. Die Art dieser Verknüpfung unterliegt jedoch nicht dem menschlichen Belieben. Sie folgt der Logik der Traditionsentwicklung. Wandelnde Werte und Vorstellungen bringen es mit sich, dass sich die Bedeutung der Handlungen, die sie ausdrücken wandelt.

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